Martin Giesswein

Digital Academic

Future of Work: Erhaben ob Raum und Zeit – Österreichs Mobilitäts-Kulinarik-Reisender im Interview

Helmut HacklHelmut Hackl hat ein Büro am Markusplatz, am Strand von Jesolo, in den Dolomiten oder in seinem Garten im Süden von Wien. Er betreibt mehrere Blogs und Portale und hat keinen Chef. Zu Aufträgen, die keinen Spaß machen, sagt er schon gerne einmal „Nein“. Wer jetzt das Bild eines 20jährigen Web-Geeks vor sich hat, liegt falsch. Helmut Hack ist über 50, geht seiner Liebe zu Reisen und Kulinarik nach und kennt das Internet wie seine Westentasche. Warum ihm Technik und Facebook immer mehr gleichgültig werden, erzählt er im Blog-Interview.

Martin Giesswein: Du bist viel auf Reisen, besonders gerne in Italien und deine 50.000 monatlichen Blog-Besucher (www.mobilitylounge.at) sind immer mit dabei. Was ist so interessant an dir?
Helmut Hackl: Es ist nicht so sehr meine Person, die interessant ist. Es sind vielmehr die Geschichten, die ich über mich erzähle. Alles im Leben dreht sich um Geschichten. Seit Jahren. Den heute so populären Begriff des Storytelling gibt’s bekanntlich auch schon ewig. Ganz wichtig an den Geschichten sind die persönlichen Inhalte, die emotionalen Momente. Ich will mit meinen Geschichten den Leserinnen und Lesern angenehme Bilder in den Kopf setzen. Meine Geschichten stammen deshalb aus meinem eigenen mobilen, digitalen und kulinarischen Lebens. Ideal für den virtuellen und realen Genuss!

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Martin Giesswein: Wie schaffst du es als Einzelkämpfer diese Fülle an Inhalten zu recherchieren, zu produzieren und zu verbreiten?
Helmut Hackl: Das klappt locker aus zwei Gründen. Erstens durch die Nutzung der für mich besten Werkzeuge. Und zweitens dank einer über Jahre gereiften Methode, alle Aufgaben mit effizientester Ausnutzung der Zeit zu absolvieren. Bei Interesse kann ich da gerne ein paar Inputs geben 🙂

Martin Giesswein: …das heißt also, dass du nicht 24 Stunden an 7 Tagen online bist? / Aus Facebook würdest du gerne aussteigen?
Helmut Hackl: Mein Notebook, Tablet und Smartphone sind 24 Stunden online. Das genügt. Ich bin dann online, wenn es erforderlich ist. Ich muss schließlich nicht permanent erreichbar sein. Die Technik ist für MICH da, wenn ICH sie brauche und nicht umgekehrt. Ich brauche nicht sofort zu reagieren, wenn mein Smartphone ob einer neuen Nachricht blinkt. Wie oft hat Dein Gesprächspartner abgehoben, und dann gesagt, dass er jetzt nicht kann. Totale Zeitverschwendung für beide Seiten. Zehn Minuten am Tag vergeudet, sind auch fast drei Tage im Jahr!
Thema Facebook: Ich habe mir die simple Frage gestellt, was ich persönlich davon habe, meine vorhandene Zeit in Facebook zu verbringen und nicht für andere Aktivitäten. Die anderen Aktivitäten haben bei mir ganz klar gewonnen. Warum ich Facebook nicht schon ganz verlassen habe, ist auch einfach erklärt: Ich brauche es für ein Kundenprojekt, das mir sehr viel Spaß macht.

Martin Giesswein: Du bist auch für Regierungsstellen tätig. Welche Rolle nimmst du hier ein?
Helmut Hackl: Ich helfe dabei, Apps noch besser für die Zielgruppe zu machen. Als Wegbegleiter und Optimierer für Projekte. Eine spannende Aufgabe.ML
Martin Giesswein: Du hast mir erzählt, dass du auch schon einmal gerne Kundenaufträge ablehnst. Was ist der Grund: Angeborene Arroganz oder ein Lottogewinn?
Helmut Hackl lacht: Nein. Weder noch. Zum Lottogewinn würde ich aber sicherlich nicht Nein sagen. Spaß beiseite. Dahinter liegt ein ganz bescheidener Grund: Ich verliere durch ein Nein vielleicht Projekte, die mir keinen Spass machen, gewinne dafür aber Zeit. Zeit für Projekte und Aktivitäten, die mir Spaß machen. Lebensqualität ist mir schon wichtiger als ein Auftrag, den ich nicht gerne mache, mehr oder weniger. Kleines Gedankenspiel: Wie oft hast Du Dich im Nachhinein schon darüber geärgert, dass Du nicht Nein gesagt hast? Ein feines Wort, das viel öfters Verwendung finden sollte. So nebenbei: Interessanterweise führt ein Nein als Antwort zu einer ganz anderen Diskussion. Das ist offenbar eine Antwort, die nicht erwartet wird.

Martin Giesswein: Was ist Dein Geschäftsmodell, wie kommt man als Firma mit Produkten in Deine digitalen Geschichten hinein?
Helmut Hackl: Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Abhängig davon, wie intensiv ein Produkt an meinem Leben teilhaben mag. Immer unter der Voraussetzung: Mir taugt das Produkt. Los geht’s am den „kleinen Betrag“ von 990 Euro fürs komplette Jahr 2013.
Eine wichtige Rolle im Geschäftsmodell spielen meine – fast schon legendären – Mobilitäts-Kulinarik-Reisen, wo sich jede Menge Produkte in der Praxis bewähren müssen. Am Strand, im Meer, am Pool, im Gebirge, im Caffè, in der Stadt, am Land, in der Sonne, …


Martin Giesswein: Glaubst du, dass Dein mobiles Internet-Arbeiten ein Model für die „Neue Welt des Arbeitens“ ist oder bist du ein Einzelfall?
Helmut Hackl: Manchmal fühle ich mich als Einzelfall, wenn ich so mit Unternehmen plaudere. Ich sehe meine Art als eine Möglichkeit von vielen. Ich kann jedem Unternehmen nur empfehlen sich näher mit diesem Thema zu beschäftigten. Sich Gedanken darüber zu machen, wie man es selbst wofür nutzen kann. Als Investition in die Zukunft. Ganz wichtig: Unbedingt einen externen Projektbegleiter einbinden. Diese Sicht kann ganz entscheidend für Erfolg oder Misserfolg sein.

Martin Giesswein: Was bringt uns die Technik an Möglichkeiten in der Zukunft?
Helmut Hackl: Die Möglichkeiten, die wir nutzen wollen / können / dürfen. Das kann ich pauschal nicht beantworten. Da spielen ein paar Sachen zusammen. Nur zwei Beispiele, die aus meiner Sicht spannende Perspektiven liefern: Smarte Uhren und smarte Brillen.

Martin Giesswein: Welche Tipps kannst du Führungskräfte geben, die die neue Welt des Arbeitens auf sich zukommen sehen?
Helmut Hackl: In einem Satz formuliert: Die Möglichkeiten nutzen, sich aber nicht von der Technik beherrschen lassen.

Helmut Hackl

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