Martin Giesswein

Digital Academic

Sparpaket: Was von den Managern wirklich verlangt wird

Auch Österreichs Managerinnen und Manager müssen ihren Beitrag  zum Sparpaket leisten. Allerdings beschränkt sich dieser nicht auf höher Steuern für Besserverdiener oder einen späterer Pensionsantritt. Es wird schlicht und einfach „besseres“ Management verlangt!

Bernhard Felderer bringt unbeabsichtigt die Forderungen an Österreichs Managerriege auf den Punkt, als er am 10. Februar 2012 den politischen Vertretern durch die Blume die Leviten liest: „Das Sparpaket ist durch Druck von außen (gemeint sind wohl die Ratingagenturen) und nicht aus eigener Einsicht entstanden.“ Weiters wünschte er sich mehr Strukturreformen statt des Fokus auf Einsparungen und Mehreinnahmen. [tvthek.orf.at]

Umgemünzt auf das Management unserer Betriebe und Institutionen bedeutet das einen klaren Auftrag an die Führungskräfte: Wenn Änderungen notwendig sind, müssen diese schnellstmöglich durchführt werden. Man darf nicht auf ein Ultimatum des Marktes oder der Konzernspitze warten. Adaptives, modernes Management ist gefragt. Das ist einerseits durch die Dynamik der globalisierter Märkte bedingt. Andererseits bedeutet die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft immer besser informierte und illoyalere Kunden. Kaufentscheidungen werden mehr und mehr durch Empfehlung der realen und digitalen Freunde beeinflusst und nicht durch althergebrachtes Push-Marketing. Intern müssen alle Geschäftsprozesse soweit wie möglich automatisch – somit elektronisch – erfolgen, um Kosten zu sparen. Das beginnt bei der elektronischen Rechnung und endet beim Kundendienst auf Facebook, wo Konsumenten selbst die Serviceanfragen beantworten.

Die Regierung versucht die schmerzhaften Änderungen des Sparpakets in Ansprachen und in Diskussionsrunden den Mitbürgern zu vermitteln. Auch die Führungskräfte der österreichischen Wirtschaft sind im Übersetzen von Strategien und Veränderungsprozessen geübt. Sie kennen die Bedeutung der Motivation der Mitarbeiter für den wirtschaftlichen Erfolg. Dennoch erlebt der Umgang mit Mitarbeitern zur Zeit einen Trend zur Re-Humanisierung, die so manchen hierachiegeübten Machtmanager an die Erfahrungsgrenzen bringt. Der Harvard Business Review titelt mit „The Value of Happiness – How Employee Well-being Drives Profits“. Colin Price, führender McKinsey Mann, macht klar: Gesunde Organisationen performen besser und können sich schneller transformieren! Unternehmen, die rein über betriebswirtschaftliche Kennzahlen gesteuert werden, haben einen Wettbwerbsnachteil.
In Zeiten der Krise und der neuen Belastungen ergeht also die Aufforderung an das Management, in Firmen genauso wie in der Politik, die Leute zu motivieren und zum Leistungsbeitrag zu bewegen.

Auf Nachfrage des Journalisten nach den Chancen des Sparpakets schließt Bernhard Felderer den Argumentationskreis nüchtern und einfach: Der Erfolg des Sparpakts hänge von der konjunkturellen Entwicklung ab, also ob die Wirtschaft sich gut entwickelt oder nicht.

Damit ist klar: Österreichs Managerinnen und Manager haben mehr Aufträge und Auflagen für ihr Handeln an diesem 10. Februar bekommen, als im ersten Augenschein ersichtlich war. Auf die Leistungen der Wirtschaft, ihrer Kapitäne und auf die der Mitarbeiter kommt es an, ob wir mit den jetzt bekannten Maßnahmen die Staatsschulden in den Griff bekommen oder ob wir uns auf weitere Einschnitte vorbereiten müssen.

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Hintergrund:

Im Februar 2012 beschloss die österreichische Bundesregierung ein Sparpakt, um die Staatsverschuldung mittelfristig zu senken: Einsparungsziel bis 2016: 25,6 Mrd. Euro

Um die Staatsverschuldung verschiedener Länder vergleichen zu können, muss berücksichtigt werden, dass die Volkswirtschaften unterschiedlich groß sind. Deshalb setzt man die Gesamtverschuldung in Bezug zum Bruttoinlandsprodukt (BIP).
Beispiel: Österreichs Staatsverschuldung beträgt 72% des BIP (2011). Das heißt: Die gesamte Volkswirtschaft müsste knapp neun Monate arbeiten und die Erlöse vollständig an die Gläubiger des österreichischen Staats abgeben, um die Staatsschuld zu tilgen.

Es gibt eine Vielzahl an Studien, die die Korrelation zwischen BIP und anderen Faktoren untersuchen, aber wenige die den Zusammenhang zwischen „besserem“ Management und dem Wohlstand einer Volkswirtschaft. Es ist schwierig zu bestimmen, was gutes oder „besseres“ Management ist und wie man die Auswirkung auf das BIP messen kann. Die Hypothese sei jedoch aufgestellt: Besseres Management führt zu mehr Wohlstand.

1 Kommentar

  1. Richtig: Gerade in diesen Zeiten sind Manager gefordert. Wenn es (in Gesellschaft und Wirtschaft) härter wird, müssen Manager Orientierung und Beständigkeit bieten. Resilienz ist nicht umsonst das „Buzz-Word“ für 2012.

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